Gedanken über Zoos

Am vergangenen Samstag wurde eine Tierpflegerin im Kölner Zoo durch einen Tiger schwer verwundet. Wenig später erlag sie ihren Verletzungen. Der Tiger, der daraufhin aus seinem Gehege entkommen konnte, wurde vom Zoodirektor erschossen, da das Tier weitere Menschen hätte anfallen können. Der Direktor Theo Pagel dazu persönlich:

In solchen Fällen steht das Wohl unserer Mitarbeiter über allem, da gibt es nur eine finale Lösung.

Ich möchte an dieser Stelle nicht darüber diskutieren, ob diese Reaktion gerechtfertigt war. Genügend Kommentare finden sich schon allein auf der Facebook-Seite des Kölner Zoo

Vielmehr habe ich mich gefragt, ob Einrichtungen wie ein Zoo überhaupt sinnvoll sind. Wie kann man die Haltung von Großtieren in Käfigen (oder Gehegen?) begründen?

Einerseits ist es für die Tiere nicht natürlich in Gehegen zu leben. Die Gehege können meinetwegen noch so groß und schön sein - was sie meistens auf Grund fehlender Gelder nicht sind. Natürlich ist die Haltung keinesfalls. Andererseits muss es den Tieren nicht unbedingt schlecht gehen. Aber kann man die Zufriedenheit eines Tigers oder eines Elefanten mit menschlichen Maßstäben messen? Laut einem Sprecher des WWF seien alle gehaltenen Tiger verhaltensgestört. Das Ponyreiten auf Jahrmärkten wollten Mitglieder der Bremer Grünen zumindest schon verbieten. Der Grund? Abgeordnete Linda Eddermann:

Pferde sind nicht dazu gemacht, fünf bis acht Stunden lang im Kreis zu laufen.

Großkatzen bleibt jedoch in ihren Gehegen auch nichts anderes übrig außer zu schlafen oder im Kreis zu laufen.

Für Zoos und Tierparks spricht, dass die meisten Menschen ohne sie keine Gelegenheit hätten Giraffen und Bären gegenüber zu stehen. Wie sonst sollte man Stadtkindern beibringen, was ein Chamäleon ist? Mit eben diesem Argument wirbt der Tierpark Hellabrunn in Münchner U-Bahnstationen. Hobbyfotografen erhalten die Möglichkeit andere Tiere als Spatzen und Tauben vor die Linse zu bekommen. Das Foto von dem Pinguin in meinem Artikel vom Samstag habe ich im Luisenpark in Mannheim gemacht. Die Pinguine haben nicht übermäßig viel Platz in ihrem Becken. Während sie schwimmen, müssen sie sich immer wieder wenden, um nicht gegen eine Wand zu prallen. Zwar vereinfacht dies die Arbeit des Fotografen; aber es beeinträchtigt insbesondere das Leben der Tiere. 

Zoos sind für uns inzwischen so normal geworden, dass die Vorstellung einer Welt ohne sie sehr merkwürdig erscheint. Einerseits könnte man denken, dass die meisten Kinder ohnehin kein Interesse mehr an Tieren und Natur haben. Andererseits ist ein Zoo für Kinder, die dieses Interesse noch haben, umso wichtiger. Nicht nur, weil die Kinder in echt sehen können, was sie so begeistert, sondern auch, weil man ihnen dadurch Respekt vor der Natur vermitteln könnte. Auf diese Weise könnten frühkindliche Zoobesuche eine kritische Haltung gegenüber Zoos zur Folge haben.

28. August 2012 - Permalink

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